Digitaler Workflow für Lehrer

Lehrerleben ohne Papier?

„Digital“ bedeutet natürlich „Computer“. Entscheidend ist aber nicht die Hardware, sondern die eingesetzte Software. Dabei gibt es ein breites Spektrum an Lösungen, die im Lehreralltag sehr hilfreich sein können. Ich will hier nicht über Textverarbeitungen oder Browser reden, obwohl auch darüber zu schreiben lohnenswert wäre.
Hier soll es um die Tools gehen, die speziell für die Verwaltung und die Organisation des Schulalltags hilfreich sind. Mein „Basispaket“ sieht so aus:
  • Evernote als Schaltzentrale (60€/Jahr, Web, Mobil und PC)
  • Todoist zur Aufgabenverwaltung (40€/Jahr, Web, Mobil und PC)
  • Posteo als Mailanbieter und Kalender (1€/Monat, Web, Mobil und PC)
  • Tresorit als Cloudspeicher (10€/Monat, Web, Mobil und PC)
  • Teachertool zur Notenverwaltung (25€ einmalig oder 29€ pro Jahr, iOS)
Zunächst stehen also Kosten von etwa 20€ pro Monat zu Buche. Allerdings bekommt man dafür fast alles, um den Lehreralltag digital bewältigen zu können.
Auf der Hardwareseite arbeite ich mit einem iPad Pro und einem Windows-Laptop. Dieser scheinbare Widerspruch ist in Wirklichkeit keiner. Die obigen Dienste arbeiten alle nativ sowohl in der Windows- als auch der iOS-Welt. Zum besseren Verständnis, werde ich die Aufgaben, welche mit den einzelnen Softwarelösungen verarbeitet werden, genauer vorstellen.

Evernote Premium

Evernote ist ein Notizbuchdienst. Über ein Webinterface oder spezielle Apps kann man Texte verfassen, Bilder einfügen, Links verwalten, PDFs einbinden, Audionotizen hinzufügen und Todolisten anlegen. Informationen werden in einzelnen Notizen abgelegt, die verschlagwortet und in Notizbüchern abgelegt werden können. Über eine Volltextsuche kann man sowohl im Volltext, als auch nach Schlagwörtern und sogar nach Text in PDFs und Bildern suchen. Über die mobilen Apps kann man mit dem Smartphone direkt Dokumente, Tafelanschriebe und Flipcharts an Evernote „scannen“.
Soweit die Vorteile. Als Nachteil ist zu sehen, dass Evernote ein Clouddienst ist und aus den USA stammt. Man gibt seine Notizen also in fremde Hände auf Server außerhalb der EU. Somit verbieten sich personenbezogene Daten in Evernote-Notizen. Ich sammle tatsächlich nur rein inhaltliche Notizen in Evernote und trenne personenbezogene Daten ganz klar.

Todoist

Moment? Oben stand doch, dass man mit Evernote Todolisten verwalten kann! Warum jetzt ein eigener Dienst für Aufgaben? Nun, Todolisten in Evernote sind äußerst rudimentär. Verknüpfungen mit Daten und Uhrzeiten, Wiederholungen oder Ortsverknüpfungen sind nur umständlich oder gar nicht möglich.
Todoist ist ein Clouddienst, der eine mächtige Aufgabenverwaltung anbietet. Aufgaben können in Projekten organisiert werden, mit Schlagworten versehen und mit Fälligkeitsdaten versehen werden. Auch hier werden die Daten auf nicht EU-Servern abgelegt, entsprechend ist mit personenbezogenen Daten umzugehen.

Posteo

Bei uns steht der Mailzugriff noch nicht komplett über die Schule zur Verfügung, teilweise ist es auch nicht erstrebenswert, da der Maildienst von BelWü schon gezeigt hat, dass er unter Last schlecht skaliert (volle Postfächer mit IMAP). Ich war lange Zeit auf der Suche nach einem Anbieter, der aus Deutschland ist und sowohl in der Übertragung, als auch auf dem Postfach stark verschlüsselt. Gleiches gilt für den Kalender, der per WebDav synchronisiert. Posteo aus Berlin bietet diesen Service zu einem Preis von 1€ pro Monat für ein 2 GB Postfach und drei Kalender.

Tresorit

Lange war ich natürlich auf Dropbox unterwegs. Der Marktführer bietet viel für wenig Geld und die Integration in Drittanbieter-Apps ist exzellent. Leider ist es aber wohl so, dass die Inhalte auf den Servern (wieder einmal: außerhalb Europas) nicht so verschlüsselt sind, dass niemand außer mir auf diese zugreifen kann. Notwendig ist also Boxcryptor oder Cryptomator, bei gehen mit Einschränkungen in der Benutzung einher. Also war ich auf der Suche nach einem Anbieter, der die Daten komplett verschlüsselt ablegt und bin bei Tresorit gelandet. Ein Anbieter aus der Schweiz (ja, keine EU, aber zumindest in Europa), der sowohl Datenverkehr, als auch die Daten auf dem Server verschlüsselt. Auf Nachfrage gibt es einen Lehrerrabatt von 20% und man landet letztlich bei etwa 10€ pro Monat für 200 GB Speicher. Wenn man keine Fotos im RAW-Format oder viele Videos ablegt, immer noch genug Speicher. Auf dem PC erfolgt die Synchronisation wie bei Dropbox über eine kleine App, die Verzeichnisse auf dem Rechner mit der Cloud abgleicht. Auf dem iPad gibt es eine native App zum Datenzugriff, die sich auch in die Datei-App von Apple integrieren lässt und somit auch bequemen Zugriff bietet. Die App kann per Code oder Fingerabdruck zugangsbeschränkt werden.

Teachertool

Teachertool ist eine Notenverwaltung und ein Unterrichtsplaner für iOS. Die persönlichen Daten werden nur lokal und verschlüsselt abgelegt. Durch das geschlossene Dateisystem von Apple ist der Zugriff zusätzlich erschwert. Die App kann zusätzlich per Code oder Fingerabdruck geschützt werden. Ich speichere nur minimale Daten (Name, Vorname, Klasse) der Schülerinnen und Schüler (Datensparsamkeit). Die große Stärke der App ist in meinen Augen die Noten- und Fehlzeitverwaltung. Notenbäume, so nennt sich die Notensystematik innerhalb der App, können extrem flexibel angele gt und gewichtet werden. Verknüpft man den eigenen Stundenplan mit den angelegten Klassen, zeigt die App, wenn man sie im Klassenzimmer öffnet, immer die gerade unterrichtete Klasse an. Mit einem Fingerdruck markiert man fehlende Schülerinnen und Schüler. Über ein Farbsystem kann man Fehlzeiten entschuldigen. Die App bietet auch die Möglichkeit Stoffverteilungen anzulegen und persönlich Tagebuch zu führen. Persönlich bin ich der Meinung, dass die App alle Datenschutzrichtlinien erfüllt, die notwendig sind (Verschlüsselung, Passwortsperre, Sandboxing).
Im nächsten Beitrag werde ich die Nutzung von Evernote genauer beleuchten.

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